1. Geschichte
An die ersten gespliessten Angelruten, die ich gesehen habe, kann ich
mich gut aus Kindertagen erinnern. So gegen Ende der 70er Jahre waren
das die „Stöcke“, mit denen – nach meiner
damaligen Auffassung – „nur die Opas fischten“,
lange, schwere Grundruten und daran meist DAM Stationärrollen mit
0,40 mm Mono aufwärts. Damals waren wir „die jungen
Wilden“, immer auf der Suche nach dem Neuen, und ich kaufte mir
von meinem mühsam Ersparten sicher eine der ersten
Kohlefaser-Matchruten, die hier an der Lahn gefischt wurde. Mit jedem
Jahr nahm die Zahl dieser „Holz-Ruten“ an den
Gewässern jedoch ab, was mir egal war, denn einen besonderen
Zauber hatte dieses Thema damals nicht für mich.
Viele Jahre später. Auf einem Flohmarktbummel, ich war inzwischen
ein begeisterter Fliegenfischer geworden, entdeckte ich eine kleine
alte gespliesste Spinngerte. Durch die Fliegenfischerliteratur, in
welcher die Gespliesste nie ganz verschwunden war, sah ich das
Stück nun aus ganz anderen Augen. Der Kauf war ein
Schnäppchen und meine anschliessenden
„Restaurationsbemühungen“ der Beginn einer Reise
in eine faszinierende Welt...
Zuerst sammelte ich antike Ruten und Rollen. Wie viele andere
Anfänger auch, kaufte ich zuerst einmal alles, was zu haben war
– darunter unsäglicher Schund, auch die ersten Fliegenruten,
asiatischer Herkunft, krumm und mit billigen Blechhülsen und
riesig aufgefrästen Knotenbereichen, wie sie noch heute bei
Online-Auktionen Unwissenden als tolle Antiquität angedreht
werden.
Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich verstand, wie eine Rute
auszusehen hätte, die mir wirklich gefallen könnte. Ein
Meilenstein war der Erwerb einer wunderbar erhaltenen Pezon &
Michel Rute – die einzige, die ich heute noch aus diesen
Sammeltagen behalten habe. Denn um das Jahr 2000 herum beschloss ich,
das Rutenbauen selbst auszuprobieren und verkaufte den ganzen antiken
Krempel, machte mich also ebenfalls des Verkaufs einiger Schrottruten
„schuldig“. Na ja... wenigstens waren auch ein paar sehr
schöne und erhaltenswerte Stücke dabei.
Meine erste Hobelform kam von einem deutschen Rutenbauer, und ich hatte
viel Spaß damit. Leider war sie für allerfeinste Spitzen
nicht einstellbar und mit viel Glück fand ich eine bessere Form
mit perfekter Funktion, mit der ich nun nahezu ausschließlich
arbeite.
Da ich seit 2002 regelmäßig Tonkin kaufte, kann ich zudem
heute stets auf schöne, abgelagerte Ware zugreifen.
2. Meine Ruten
Jede meiner Ruten entsteht individuell und meist im Winterhalbjahr.
Für viel Hobelei im Sommer fische ich einfach viel zu gerne. Wenn
ich aber „den Hobel anwerfe“, baue ich sehr gerne Ruten
mit „klassischem“ Taper, z.B. von Garrison oder
Young.
Früher liebte ich mein selbstentwickeltes, kurze, hartes und
schnelles „Sniper-Taper“ – doch das war wohl der
Übergang von Kohlefaser auf Gespliesste, denn heute schätze
ich die gelassene, mühelose Aktion einer Garrison 193 viel mehr
als jene zappeligen, modernen Weitenjäger, die so schön
über die Fische hinweg werfen können.
Es ist meinem Freund Ralf hoch anzurechnen, dass er mir an den
Rotwein-Ufern der Ahr vor einigen Jahren einmal gehörig den Marsch
blies. Nach einem Tag mit Kohlefaser und vielen Aussteigern ohne einen
Fang sagte er mit ernster Miene: „MD, jetzt fisch´endlich
mit Deinen Gespliessten – Kohle liegt Dir einfach nicht“.
Ich habe mich daran gehalten, fing prompt eine knapp 50er Fario und
habe es auch bis heute konsequent beibehalten. Danke Ralf!
Wie bei meinen Messern, sehe ich meine Ruten als
Gebrauchsgegenstand und ihre Ausstattung ist meist ausgesprochem
nüchtern und schnörkellos. Kostbarste Gravuren, vergoldete
Hülsen etc. findet man an ihnen also eher nicht, aber sie wollen
´raus mit ihrem Besitzer und Fische fangen – und wie
ich in Norwegen getestet habe, tun sie dies nicht nur im
Süßwasser...
Ich finde, Bilder sprechen an dieser Stelle einfach die beste Sprache!
3. Die kleine Werkstatt
Es ist toll: wenn man nur ein paar erstklassiges Tonkin, gute Hobel und
eine brauchbare Lehre hat, kann man Splitcane-Ruten ansonsten wirklich
mit einfachsten Mitteln bauen. Wer etwas anderes erzählt, redet
Blödsinn. Eine Wahrheit, die nicht jedem schmeckt. Nur viel Zeit
sollte man mitbringen und dann heißt es Lernen, Üben,
beständig Weiterentwickeln…
Gespaltet und gehobelt wird in meiner kleinen Werkstatt natürlich
alles von Hand, na klar. Es gibt – außer einem
Härteofen und einem Heißluftgebläse –
überhaupt keine Maschinen für den Rutenbau. Nicht einmal eine
Wickelmaschine für das Verleimen. So bleibt viel Gefühl
für das individuelle Werkstück erhalten. Mit dem x-ten
Aufguss der Vorteile handgespaltener Spleisse gegenüber
gesägten/gefrästen will ich hier erst gar nicht damit
langweilen, sie dürften dem Splitcane-Fan ohnehin bekannt sein.
Nur wenige Ruten fand ich bisher so unverzichtbar, dass ich gleich ein
paar Blanks mehr angefertigt habe. Serien zu fertigen, macht mir
schnell keinen Spaß mehr, sofort geht der Rute das Einzigartige
verloren, das man vor Augen hat, wenn man die eine Rute für den
ganz speziellen Fischer baut, so, wie er sie sich gewünscht hat.
Individualität drückt sich immer auch in den verwendeten
Komponenten aus. Hier greife ich bei den Rollenhaltern gelegentlich auf
mein Holzlager vom Messerbau zurück.
Manchmal werde ich nach einem Rutenbau-Kurs oder der
Möglichkeit, einmal einfach zuschauen zu können gefragt. Das kann ich durchaus
einrichten, nur in der Regel überhaupt nicht spontan und möglichst nur mit
einem Teilnehmer, der dann aber auch gut 2 Tage an Zeit mitbringen sollte.
4. Erfolge mit
meinen Ruten

Bitte nie vergessen: das schönste Lob für einen
Rutenbauer ist immer ein „Beweisfoto“ mit der Rute und einem guten Fisch. (an dieser Stelle soll eine Sammlung von Fotos
mit kleinem Kommentar vom Fänger wachsen – Ich hoffe, mein Freund Ralf macht
hier einen kleinen Anfang!)
5. Danke!
Viele Freunde fischen nun seit Jahren mit meinen Ruten.
Viele Freunde habe ich gar erst durch den Rutenbau kennen lernen dürfen. Dafür
bin ich wirklich sehr dankbar. Die Freude am Fliegenfischen und besonders die
Freude am Fischen mit Gespliessten verbindet uns. Auch, wenn wir uns manchmal
für Monate nicht sehen.
Der Zauber einer Gespliessten ist unerreicht!